Neujahrsempfang in Wolpertshausen

Wolpertshausen, 17.01.2014

Liebe, Intelligenz, Humor: Margot Käßmann plädiert für christliche Werte

Die promovierte Theologin redet Klartext und würzt ihre Ausführungen immer wieder mit einer Prise Humor. Käßmann macht sich stark für eine "Ethik des Genug". Das Wertefundament findet sie in der Bibel.

Was zählt wirklich im Leben? Vor allem darum geht es im Vortrag von Margot Käßmann beim Neujahrsempfang der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim am Mittwochabend vor 700 Gästen in der Mehrzweckhalle in Wolpertshausen.

Käßmann nennt unter anderem Liebe, Intelligenz und Humor. Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland findet Orientierung sowie Antworten auf diese Frage in der Bibel und vor allem bei den zehn Geboten, "die eine Anleitung zum Leben und Handeln geben", ist die 55-Jährige überzeugt und nennt Beispiele: "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus" und "Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was sein ist" lauten das neunte sowie das zehnte Gebot im kleinen Katechismus Martin Luthers - ein Vorbild von ihr, neben Martin Luther King.

Wer die Habgier in den Mittelpunkt seines Lebens rücke, der verliere den Blick auf des Gemeinwohl, das Miteinander, "auf das Gewebe, das die Gesellschaft zusammenhält", macht Käßmann deutlich. Die Gier sei auf dem Vormarsch, die Schnäppchenmentalität greife immer stärker um sich. Wer wolle schon mit den Worten "Schatz, ich finde Dich geil, weil Du geizig bist" von seinem Partner angeredet werden, fragt Käßmann, um so die Bedeutung des Werbeslogans "Geiz ist geil" zu zerlegen und bekommt mal wieder kräftigen Beifall von den Gästen.

Die Theologin fordert eine "Ethik des Genug", eine Ökonomie des Lebens und schlägt die Brücke zur Wirtschaft vollends über das griechische Ursprungswort "Oikos", von dem der Begriff Ökonomie abgeleitet ist. "Oikos" war im antiken Griechenland die Haus- und Wirtschaftsgemeinschaft. Alle in der Gesellschaft seien Teil dieses Hauses und finden hier eine Heimat samt einer Wertegemeinschaft, die zusammenhält, geprägt durch christliche Werte, mit der Bibel als Maßstab und Basis aller Kulturen. Jeder werde darin gebraucht. Die Würde des Menschen definiere sich dabei nicht über seine Erwerbstätigkeit, sondern weil er Gottes Ebenbild sei. Wer nur am Geld hängt, dem falle es schwer, frei zu werden. Sie wolle die Bedeutung von Geld nicht herunterspielen, aber es könne nicht sein, dass die Armen in der Gesellschaft immer stärker ausgegrenzt werden.

Es brauche neue Wirtschaftskreisläufe, einen Kreislauf der Solidarität und der Barmherzigkeit. Käßmann verdeutlicht dies mit Blick auf die einzelnen Lebensphasen. Am Anfang als Baby und Kleinkind und am Ende des Lebens brauche man vor allem die anderen. Dazwischen sei man leistungsfähig, solle gerne und viel geben, auch stolz darauf sein, dass man Steuern zahlen kann. Wucherzins von 23 Prozent in einem Jahr gehe dagegen gar nicht, wie beispielsweise der Absturz der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers zeige. Die Grundlagen einer Genossenschaftsbank seien da ganz anders, geprägt von Transparenz und Verantwortung den Mitgliedern gegenüber.

Quelle: Hohenloher Tagblatt, 17. Januar 2014