VR-Bank erwartet Einschnitte

Schwäbisch Hall, 13.05.2015

Auf zwei Entwicklungen hat sich die VR-Bank Schwäbisch Hall einzustellen. Beide sind neu, aber absehbar: Die Kunden verändern ihr Verhalten. Der Zinsüberschuss wird deutlich zurückgehen.

Schwäbisch Hall. In wesentlichen Kennzahlen wird Wachstum deutlich: Die Bilanzsumme wuchs, ebenso die Einlagen der Kunden, die Forderungen der Bank an ihre Kunden sowie das betreute Kundenvolumen insgesamt. "Mit der Ertragslage sind wir zufrieden", sagte Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies. Aufsichtsratsvorsitzender Armin Rapp sprach von einer gesunden Entwicklung. Das Institut sei gut gerüstet.

Doch bei der Vertreterversammlung anfang dieser Woche in der Bausparkasse wurde auch deutlich, dass Vorstand und Aufsichtsrat wissen, dass die Geschäfte von Bankhäusern in Zukunft schwieriger werden. 2014 konnte der Zinsüberschuss zwar verbessert werden. Armin Rapp machte aber deutlich, dass dieser Zinsüberschuss in den Folgejahren um "mindestens 50 Prozent" zurückgehen werde, so eine Prognose des Dachverbands. Zinsüberschuss - das ist die Differenz zwischen der Summe an Zinseinkünften der Bank (Kunden leihen sich Geld) und der Summe an Zinsausgaben (Kunden legen Geld an). Je tiefer das allgemeine Zinsniveau ist, desto geringer wird diese Differenz und damit die Einnahme der Bank. Als Maßnahme auf diesen drohenden Rückgang habe das Geldhaus im zurückliegenden Jahr gut vier Millionen Euro an weiteren Rückstellungen gebildet. In der Gewinn- und Verlustrechnung macht sich das unter anderem bei den Überschüssen und Gewinnen bemerkbar: Der Jahresüberschuss ging von 3,9 auf 3,4 Millionen Euro zurück. Der Bilanzgewinn reduzierte sich von 3,9 auf 2,7 Millionen Euro.

Die Entwicklung zwingt die Bank zum Sparen. So werden nicht mehr alle freiwerdenden Stellen besetzt, das Geschäftsstellennetz wird auf seine Rentabilität überprüft, Mitgliedern, die mit der Bank keine Geschäfte machen, wird gekündigt.

Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies machte auf der Vertreterversammlung deutlich, dass die VR-Bank auch auf das veränderte Kundenverhalten reagieren werde. Immer mehr Menschen machen ihre Bankgeschäfte online. "Beim Geschäftsstellennetz ist das letzte Wort noch nicht gesprochen", so Spies. Über Erhalt oder Schließung würden die Kunden auch mit den Füßen abstimmen.


Die VR-Bank reduziert die Dividende auf die Geschäftsanteile. Anstatt 6,5 Prozent (5,5 plus 1 Prozent Bonus) schüttet das Haller Geldhaus 5,5 Prozent aus.

Quelle: Haller Tagblatt, 13.05.2015