Job-Börse 2015 - Interessenten immer jünger

Schwäbisch Hall, 22.06.2015

Mehr als 100 Firmen haben bei der 10. Job-Börse der VR-Bank etwa 3000 Ausbildungsplätze und dazu viele Infos angeboten. Der Zulauf am Samstag war riesig, es kamen viele sehr junge Schüler mit den Eltern.

Schwäbisch Hall. Als Marvin Woitke (16) aus Michelbach durch die beiden Messezelte auf dem Kocherwiesen streift und sich die Angebote der Ausstellerfirmen anschaut, ist er völlig entspannt. Er hat seine Ausbildungsstelle schon, die er am 1. September antreten wird.

"Ich möchte Bankkaufmann bei der VR-Bank werden", freut sich der Jugendliche. Und verrät: "Das wollte ich schon immer machen." Im kommenden Jahr darf er dann bei der 11. Job-Börse vielleicht schon am Messestand stehen und die anderen Jugendlichen beraten, die noch auf der Suche sind.

Sein Kumpel Lukas Hack (16) aus Hessental will erst einmal sein Abitur machen und geht ab Herbst auf das Wirtschaftsgymnasium. "Ich fühle mich noch zu jung für die Arbeitswelt und wüsste auch gar nicht, was mich interessiert. So habe ich noch ein paar Jahre Zeit, mich zu entscheiden." Zuvor müssen die beiden Jungs aber erst noch ihre mündlichen Abschlussprüfungen bestehen.

Sich verloren fühlen in der Flut der Angebote auf dem Arbeitsmarkt - das kennen viele Jugendliche. Die wenigsten wissen schon früh, was sie wirklich werden wollen oder was ihnen liegt. Viele junge Menschen müssen das erst herausfinden und sich zuvor beraten oder inspirieren lassen. Mona Bohland ist Ausbilderin bei der Firma Kärcher und hat ganz ähnliche Beobachtungen gemacht. "Die Bewerber werden immer jünger. Manche sind erst in der achten Klasse, wenn sie hier zur Job-Börse kommen. Da haben sie natürlich noch keine Vorstellung, was es zum Beispiel heißt, im Einkauf oder im Vertrieb zu arbeiten", erzählt sie. Bei manchen Schülern müsse man daher fast eine Berufsberatung machen.

Was auch auffällt: Es sind viele Jugendliche, die mit den Eltern gekommen sind. Vielfach sind es auch die Eltern, die den Firmen, den Ausbildern und den Azubis an den Messeständen ihre Fragen stellen. Die Jugendlichen stehen oft schüchtern daneben und hören nur zu.

Inna Martel (19), selbst Auszubildende im zweiten Ausbildungsjahr an der evangelischen Fachschule für Sozialpädagogik in Hall, vermutet, dass es vielen jungen Schülern wohl Sicherheit gebe, wenn sie noch die Eltern dabei haben. Sie selbst freut sich, dass sie, wenn es gewünscht wird, ihre persönlichen Eindrücke und Erfahrungen in der Ausbildung an wissbegierige Jugendliche weitergeben kann. "Es macht wirklich Spaß, anderen zu helfen, vielleicht den richtigen Beruf zu finden", sagt sie.

Die beiden Freundinnen Christiane Schnitzer und Selina Pulver (beide 15) aus Großerlach schlendern gemütlich durch die Reihen. Kaufmännischer oder sozialer Beruf, das ist bei den beiden noch die Frage. "Wir machen nächstes Jahr unseren Abschluss und müssen uns bald bewerben", meint Selina. Auf der Job-Börse wollen sie sich informieren, welche Berufe es gibt, was die Firmen anbieten und welche Voraussetzungen daran geknüpft sind. "Die Auswahl an Berufen ist heutzutage so riesig, man hat so viele Möglichkeiten", sagt Christiane. Aber sie hat schon eine Idee, wie sie damit umgehen könnte: "Uns wurde von vielen Firmen empfohlen, ein Praktikum zu machen. So kann man mal in Ruhe reinschnuppern und schauen, ob einem der Beruf liegt." Kontakte haben die beiden hier und da schon geknüpft.

Quelle: Haller Tagblatt, 22. Juni 2015