VR Bank auf Sparkurs

Schwäbisch Hall, 31.01.2015

Die Geschäfte der VR Bank seien im Jahr 2014 gut gelaufen. Dennoch kündigt der Vorstand einen Sparkurs an: Zwei Geschäftsstellen werden geschlossen, nicht alle ausscheidenden Mitarbeiter ersetzt.

Schwäbisch Hall. Die Reihe der Mitgliederforen wird am kommenden Montag eröffnet. Der Auftakt ist in der Haller Blendstatthalle. Weitere 32 folgen in den darauffolgenden Wochen. Dabei wird der Vorstand um den Vorsitzenden Eberhard Spies die Hintergründe erläutern, die die Bank zum Sparen veranlasst. In Zeiten derart niedriger Zinsen haben es Banken schwer, die Gewinnmargen der zurückliegenden Jahre zu erreichen.

Bei einem Pressegespräch gestern in der Zentrale der VR-Bank in Schwäbisch Hall räumten Eberhard Spies und Tobias Belesnai unterschiedliche Maßnahmen ein, um die Kosten zu reduzieren. Dazu verringert die Bank auch ihr Zweigstellennetz. Bewertungsgrundlagen für den Fortbestand von Filialen seien unter anderem die Kundenfrequenz, die nötigen Investitionen sowie das Kundenvolumen pro Mitarbeiter. Das Schließen von Filialen dürfte der VR-Bank nicht leicht fallen. Einerseits sei der persönliche Kontakt zum Kunden der wichtigste Zugang überhaupt. "Wir müssen Öffnungszeiten und Beratungsmöglichkeiten entkoppeln", sagt der Vorstandsvorsitzende. Selbst in Filialen ohne Geldautomaten gebe es an manchen Tagen oft keine 20 Kassenposten. Zum angekündigten Sparkurs gehört auch, dass das genossenschaftliche Institut nicht alle ausscheidenden Mitarbeiter ersetzt. Derzeit hat die VR-Bank knapp über 400 Beschäftigte sowie rund 50 Auszubildende. Zahlen, wie viele Stellen insgesamt eingespart werden sollen, nannten Eberhard Spies und Tobias Belesnai nicht. Auf ihre Geschäftsanteile zahlte die VR-Bank an ihre Mitglieder in den zurückliegenden Jahren 5,5 Prozent Dividende plus ein Prozent Bonus. Im Geschäftsjahr 2015 werden die Dividenden gekürzt, dann gibt es insgesamt noch 5,5 Prozent (4,5+1). Diese Maßnahme habe nichts mit den Sparmaßnahmen zu tun, versichern die Vorstände. "Eine Dividendenzahlung von 6,5 Prozent passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Das ist eher eine Frage des Prinzips", erklärt Eberhard Spies angesichts europaweit anhaltend niedriger Zinsen.

Eberhard Spies: "Wir wollen aktive Mitglieder"

Darüber hinaus kündigt die VR-Bank an, passiven Mitgliedern zu kündigen. "Wir wollen aktive Mitglieder, die mit der VR-Bank Geschäfte machen", sagte Eberhard Spies. Wer dagegen ausschließlich Mitglied ist, um die hohen Dividenden auf die Geschäftsanteile zu kassieren, müsse mit einer Kündigung rechnen, so Tobias Belesnai. Rechnet die Bank damit, dass Mitglieder, denen gekündigt wird, gegen diese Entscheidung vorgehen? Dem sehe man gelassen entgegen. Dieser Widerstand werde überschaubar gering sein, weil die Regeln eindeutig seien, so Belesnai.

Weiteres Sparpotenzial sehen Spies und Belesnai darin, dass alle Kontomodelle auf den Prüfstand kommen. "Wir werden einzelne Nischen zumachen", kündigt Eberhard Spies an. Nicht aus der Reserve locken ließen sich Spies und Belesnai bei der Frage, wie viele Privatkunden mit mindestens 500.000 Euro Einlagen die Bank hat. Ab dieser Grenze verlangen manche Institute inzwischen Strafzinsen. "Das wollen wir im Privatkundengeschäft nicht", meinte Spies dazu.

Info Mehr zur aktuellen Entwicklung der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim auch in der nächsten Ausgabe von RegioBusiness.

Quelle: Haller Tagblatt, 31. Januar 2015