Tradition in Bewegung

Schwäbisch Hall, 06.02.2015

Die Universal-Banken in der Region stehen vor gewaltigen Herausforderungen. Die anhaltende Niedrigzinsphase bringt auch sie in Nöte. Die Technisierung in der Finanzbranche forciert zudem einen Strukturwandel. Die VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim versucht, sich auf die veränderten Gegebenheiten am Markt einzustellen.

Bis Anfang März ist die Vorstandschaft viel unterwegs. Auf 32 unterhaltend angelegten Abendveranstaltungen werden Eberhard Spies und seine Kollegen vor mehr als 8 000 Mitgliedern darlegen, wie die mitgliederstärkste Genossenschaft in Hohenlohe-Franken durch das Wirtschaftsjahr 2014 kam, um danach den Blick auch auf Kommendes zu richten.

Und so mancher der insgesamt 63 000 Mitglieder wird über die Ausführungen ein wenig ins Grübeln kommen. Anlass sind weniger die zurückliegenden zwölf Monate, die laut Eberhard Spies insgesamt "gut gelaufen" sind und der Bank ordentliche Zuwächse bescherten. Nein, es sind vielmehr die Rahmenbedingungen, die den 400 VR-Bankern auf Sicht einiges abverlangen.

Als klassische Universalbank mit breitgefächertem Filialnetz leben die Genossen vor allem vom Zinsüberschuss. Weil sich dieser in Zeiten niedriger Zinsen eben deutlich schwieriger erwirtschaften lässt, muss die Bank als Ganzes reagieren.

"Dabei ist die aktuelle Situation nicht das Problem", erklärt Eberhard Spies, "wir verdienen ordentlich, verfügen über ausreichend Eigenkapital. Aber auch wir leben nicht auf einer Insel der Seligen und müssen uns auf veränderte Gegebenheiten einstellen." Und mit der Bank auch deren Mitglieder. Markt machen, wo es geht, lautet die Devise. Das Kreditgeschäft auszuweiten und Zuwächse im Provisionsgeschäft (Vermittlung von Fonds, Versicherungen, Ratenkrediten, Bausparverträgen) zu erarbeiten, sind dabei die wichtigsten Stellschrauben.

Doch in Zeiten billigen Geldes nutzen Privatleute und Unternehmen auch in der Region vorhandenes Kapital für Investitionen oder lösen Kredite mit "schlechteren Konditionen" aus der Vergangenheit ab und auch das Provisionsgeschäft lässt sich nicht ohne weiteres forcieren.

Der Grund: Die Bank steht gut im Markt, Zuwächse sind meist nur im Verdrängungswettbewerb zu erwirtschaften. Beinahe schon paradox: Ausgerechnet die Nähe zum eigenen Wirtschaftsraum wird für die Genossen im beinharten Wettbewerb nun zum Nachteil. Der Filialbetrieb mit persönlicher Betreuung vor Ort ist vielen Kunden lieb - aber eben auch teuer.

Sparen heißt deshalb die andere Alternative. Dass die Bank den Zins für die Genossenschaftsanteile um einen Prozentpunkt (4,5 Prozent plus 1 Prozent Bonus) zurückfährt, ist deshalb eben so nachvollziehbar wie die Ankündigung, rund 1000 Kunden, die nur Anteile halten aber sonst keine weiteren Geschäftskontakte der Bank pflegen, vor die genossenschaftliche Tür zu setzen. Doch beides sind nur erste Schritte auf dem langen Weg, der erodierenden Ertragslage Herr zu werden und dürften ebenso wenig ausreichen, wie die "Überprüfung aller angebotenen Kontomodelle". Wobei "Strafzinsen" für Privatkunden mit hohen Geldanlagen laut Eberhard Spies "noch nicht angedacht" sind. Doch es sind auch längst nicht mehr allein die allgemeinen Marktdaten, die die Bank zum Handeln zwingen. "Die Digitalisierung schreitet einfach voran", lenkt Tobias Belesnai den Blick auf gravierende Veränderungen, die den alltäglichen Betrieb des Finanzhauses nachhaltig verändern. "Der Zugang zur Bank verschiebt sich komplett und damit ändern sich die Vertriebswege" erläutert das jüngste Vorstandsmitglied: "Auf einen Besuch in der Filiale kommen mehr als zehn Kontakte an den Automaten und mehr als doppelt soviele über das Netz."

Dass die Bank nach Mariäkappel und Unterdeuffstetten mit Tiefenbach und Onolzheim allein im Altkreis Crailsheim zwei weitere Filialen aufgibt, ist auch dieser Entwicklung geschuldet. "Zweigstellen machen nur dort Sinn, wo sie angenomen werden", sagt Eberhard Spies und unterzieht auch die Schalterzeiten generell einer kritischen Betrachtung: "Es macht doch keinen Sinn Service zu bieten, wenn dann keiner kommt." Qualitativ hochwertige Beratung in ansprechendem Ambiente oder der direkter Kontakt zu den Kunden zuhause, soll deshalb die historisch gewachsene, aber zunehmend unzeitgemäße Präsenz ersetzen.

VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim

Bilanzsumme: 1,89 Milliarden Euro (+ 3,6 %)
Kredite: 0,98 Milliarden Euro (+ 5,2 %)
Einlagen: 1,25 Milliarden Euro (+ 1,0 %)
Kundenvolumen: 3,48 Milliarden Euro
Zinsüberschuss: 41,5 Millionen Euro
Rendite: 4,5 (+1%)
Mitglieder: 63 000
Mitarbeiter: 400 (- 2 %)
Auszubildende: 48

Quelle: Regio Business, 06. Februar 2015