Die digitalen Genossen

Schwäbisch Hall, 03.02.2016

VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim treibt ihren Umbau gezielt voran."Die einzigartige Kraft der Genossenschaft" - unter diesem Motto stehen die Mitgliederforen der VR-Bank in diesem Jahr. Gleich der Auftakt machte deutlich: Diese Kraft ist noch längst nicht ausgeschöpft.

Schwäbisch Hall. Dass am Ende die Plätze für die Mitglieder und Gäste in der Blendstatthalle nicht ganz ausreichten, ist ein Beleg für den guten Stand der VR Bank Schwäbisch Hall - Crailsheim im angestammten Wirtschaftsraum hat. Über 300 Mitglieder verfolgten den Auftakt der Infotainmentreihe, mit der die Bank seit einigen Jahren ihre Mitglieder auf dem Laufenden hält. Insgesamt 30 solcher Informationsveranstaltungen haben die Vorstände und Regionalmarktleiter bis zum 3. März nun vor der Brust: "Das ist war anstrengend", sagt Eberhard Spies, "aber eben auch Ausdruck unseres Selbstverständnisses."

Dass den begleitenden Auftritten von örtlichen Vereinen am Montagabend vielleicht nicht ganz die verdiente Aufmerksamkeit zuteil wurde, hat vor allem damit zu tun, dass die Mitglieder einen klar formulierten Eindruck davon bekamen, dass die VR Bank einem "ordentlichen" und "zufriedenstellenden" 159. Geschäftsjahr noch weitere erfolgreiche folgen lassen will. Um die besonderen Herausforderungen am Markt zu bestehen, durchläuft die Bank derzeit Technik- und Digitalisierungssprünge, wie sie selbst langjährige Beobachter noch vor wenigen Jahren kaum für möglich hielten. Die anhaltende Niedrigzinsphase aber auch die Vorgaben der Bankenaufsicht machen es notwendig, dass die Genossen ihr Geschäftsmodell zumindest in Teilen auf den Kopf stellen. Eberhard Spies verdeutlichte anhand von einfachen Beispielen die veränderten Gegebenheiten: "Die größte Filiale ist inzwischen unsere Internetseite. Über 300 000 Zugriffen pro Monat - Tendenz rapide steigend - steht ein fast kontinuierlicher Rückgang der Kundenfrequenz gegenüber. Die klassische Ausrichtung als Präsenzbank früherer Tage ist obsolet. Ein immer ausgeklügelter Zugang der Kunden über die bankeigene Website und nicht weniger als sechs Apps für das Smartphone zeigen, wie sehr die Bankspitze den mobilen Bankkunden dieser Tage im Fokus hat.

Während sich die Öffnungs- und Servicezeiten an akribisch ermittelten Besuchszahlen in den jeweiligen Filialen orientieren, soll die Beratung weiter ausgebaut werden. "Natürlich wird es uns auch künftig als leistungsfähige Filialbank geben", versichert Eberhard Spies, "aber eben nur dort wo es sich rechnet." Deswegen wurden zuletzt die Filialen in Oberrot oder Sulzdorf renoviert, dafür werden in diesem Jahr die Geschäftstellen in Wüstenrot/Neuhütten sowie Wolpertshausen/Ilshofen zusammengelegt. "Wenn wir bei jedem Bankgeschäft zulegen, ist das gewiss nicht im Sinne einer Genossenschaft", pariert Eberhard Spies vorsorglich jeden Gedanken an wirtschaftliche Härte. Apropos Genosse: Wer künftig seine Geschäftsbeziehung nicht aktiv nutzt und nur auf Rendite schielt, erhält den blauen Brief.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr wurden 900 Mitglieder gekündigt, was einem weiteren Zuwachs allerdings nicht abträglich war. 63.163 waren es zum Abschluss des Geschäftsjahres 2015. Diese können sich nun über eine Dividende von fünf Prozent freuen.

Quelle: Haller Tagblatt, 03. Februar 2016