Viel Kapital auf den Konten

MitgliederForen der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim eG

Immer weniger Kunden kommen immer seltener in die Bank-Filialen. Der Trend ist allgemein, er beschränkt sich keineswegs auf die VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim. Aber er wird thematisiert auf den 26 Mitgliederforen, die das Geldhaus auch in diesem Jahr wieder veranstaltet. Die Serie startete in der zurückliegenden Woche in Schwäbisch Hall, abgeschlossen wird sie am Mittwoch, 7. März, in Fichtenau.

Laut einer Statistik der VR-Bank wurde im zurückliegenden Jahr 355 000 Mal auf die Internetseite des Instituts zugegriffen. Dem gegenüber würden 55 000 telefonische oder persönliche Beratungsgespräche stehen. Dieser Vergleich dürfte hinken, denn nicht jeder Mensch, der online bei einer Bank reinklickt, sucht auch Beratung. Nichtsdestotrotz kommt die VR-Bank zu dem Schluss, dass die Strategie, auf mehreren Kanälen präsent zu sein, ausgebaut werden soll. Dazu betont Vorstandschef Eberhard Spies: „Zunächst informieren sich die Kunden online, dann lassen sie sich beraten und schließlich entscheiden sie sich am Telefon.“

„Hohe Qualitätsanforderungen“

Die Digitalisierung der Bank und die gleichzeitige Qualifizierung der Mitarbeiter seien die derzeitigen Herausforderungen. Im zurückliegenden Jahr seien alle VR-Bank-Mitarbeiter, die mit Kunden in Kontakt stehen, zu zertifizierten Vermögensberatern ausgebildet worden. „Sie müssen unsere hohen Qualitätsanforderungen erfüllen“, so Spies.

Trotz der Verkaufsbemühungen der Bank liege noch viel Kundenkapital, das keine Rendite abwirft, auf den Konten. Lassen die Kunden Geld auf dem Konto, verursacht dies Kosten, weil die jeweilige Bank dieses Geld wiederum bei Instituten deponieren muss. Diese nehmen für diese Leistung Geld. Die oft als Negativzinsen bezeichneten Kosten belaufen sich bei der VR-Bank auf rund 3 Millionen Euro. Diese gibt das Geldhaus nicht direkt an seine Privatkunden weiter, sondern trägt sie selbst. Ob das Geldhaus die Negativzinsen ihren Unternehmenskunden berechnet, werde von Fall zu Fall unterschieden. Die Haller VR-Bank bezeichnet diese Zinskosten, die sie nicht an ihre Kunden weitergibt, als Regionaldividende.

Wenig Kritik

Die VR-Bank betont in einer Pressemitteilung zu den Mitgliederforen eine faire Zusammenarbeit mit den Kunden. In diesem Zusammenhang rückt sie ihr sogenanntes „Hausbankmodell“ in den Mittelpunkt. Kunden, die mehr Geschäfte mit der Bank machen, würden von geringeren Gebühren profitieren. Das Geldhaus wünscht sich, dass die Kunden nicht nur ihr Girokonto dort führen, sondern auch ihre Baufinanzierung abschließen, ihre Ersparnisse dort anlegen und verwalten lassen oder ihr Auto, ihren Hausrat oder ihr Leben dort versichern. „Dabei kommt es nicht auf die Höhe der Einlagen an, sondern auf die Menge der genutzten Produkte und Dienstleistungen“, erklärt Vorstandsvorsitzender Eberhard Spies. An dem Hausbankmodell werde auch Kritik geübt, räumt Thorsten Schulz ein. Aber im Großen und Ganzen mache die Bank gute Erfahrungen damit, versichert der VR-Bank-Kommunikationschef. Von Kündigungen in diesem Zusammenhang sei ihm nichts bekannt.

Kreditvergabe wächst erheblich

Beim ersten Mitgliederforum in der Schwäbisch Haller Blendstatt­halle stellte Regionalmarktleiter Matthias Schwarz die Zahlen des zurückliegenden Jahres vor. Die Einlagen sind von 1,394 auf 1,409 Milliarden Euro angewachsen (+1,1 Prozent). Die Kreditvergabe sprang um 10 Prozent von 1,071 auf 1,179 Milliarden Euro. Das Kundengeschäftsvolumen hat sich um 6,7 Prozent von 3,859 auf 4,119 Milliarden Euro erhöht. Vorstandsvorsitzender Spies bezeichnete das Ergebnis als ordentlich, vor allem im Kreditgeschäft sei das Wachstum gut.

Haller Tagblatt, 16.02.2018