Die Mischung macht’s

Union Infotainment Veranstaltung in Wolpertshausen

Wolpertshausen. Für eine ausgewogene Vermögensstruktur wirbt Referent Klaus Riester bei der Union Infotainment-Veranstaltung der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim eG.

Für eine ausgewogene Vermögensstruktur wirbt Referent Klaus Riester bei einer Infotainment-Veranstaltung der VR Bank.

Klaus Riester wirkt wie ein besonnener Mann. Umso mehr überraschen die deutlichen Worte, die der Gastreferent bei der von der VR-Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim organisierten Infotainment-Veranstaltung „Die Jagd nach Rendite geht weiter – aktiv bleiben und Chancen nutzen“ diese Woche wählt: Von einer „schleichenden stillen Enteignung“ spricht das Mitglied der Geschäftsführung von „Union Investment Privatfonds“ in der bis fast auf den letzten Platz gefüllten neuen Mehrzweckhalle von Wolpertshausen. Gemeint ist der kontinuierliche Renditerückgang seit rund zehn Jahren. Inzwischen übertreffe die Inflationsrate sogar die Verzinsung, warnt Riester: „Dann ist die Kaufkraft Ihres Vermögens negativ.“

Stabile Wirtschaft

Dabei sei die wirtschaftliche Situation weltweit stabil: Nicht nur in ganz Europa wachse die Wirtschaft nach Jahren der Krise wieder. Auch gebe es „keine wirtschaftlichen Krisenherde auf der Welt“, sondern ein „weltweit synchrones Wachstum“ von drei Prozent in diesem Jahr.

Wie konnte es aber trotzdem zum Renditerückgang kommen? Die Ursachen sieht Riester in der Weltwirtschaftskrise ab 2007. Diese habe jahrelang zu einer sehr unterschiedlichen Entwicklung in den verschiedenen europäischen Staaten geführt. Und auch wenn sich inzwischen wieder ganz Europa auf Wachstumskurs befinde, bleibe die Strategie der Europäischen Zentralbank (EZB) unverändert: Sie betreibe weiterhin eine expansive Geldpolitik, um das Wirtschaftswachstum in Südeuropa zu steigern und halte die Zinsen durch den Ankauf von Staats- und Unternehmensanleihen  niedrig.

Was aber bedeutet das für die Anleger? Sie sollten ihr Geld vor allem in Aktien und Rohstoffe investieren, meint Riester. Denn die Preise beispielsweise für Öl seien im Steigen begriffen, da die Öllagerbestände seit 2016 stetig zurückgingen. Und der Aktienmarkt biete Chancen, da es den Unternehmen gut gehe und sie auch ihre weitere Geschäftsentwicklung positiv einschätzten.

„Ich möchte Sie einladen, dass Sie alle zum Aktionär werden“, sagt Riester in Wolpertshausen. Denn genau daran mangele es hierzulande noch: „90 Prozent der Deutschen sind nicht so aktien-kultiviert“, berichtet Riester. Den Grund sieht er in der Altersvorsorge, die in Deutschland bisher zu einem großen Teil vom Staat organisiert wurde. In Ländern, in denen die Leute die Altersvorsorge stärker in die eigene Hand nehmen müssten, würden viel mehr Menschen ihr Geld in Aktien investieren. Doch eines sei dabei wichtig, betont Riester: „Es muss zu einem passen.“

Deshalb empfiehlt er eine breite Vermögensstruktur, bei der sich das Vermögen beispielsweise aus zehn Prozent liquiden Mitteln, 45 Prozent Geldwerten wie festverzinsliche Wertpapiere und Rentenfonds, 25 Prozent Substanzwerten wie Aktien und Rohstoffen sowie 20 Prozent Sachwerten wie Immobilien zusammensetzt. Bisher bestehe das Vermögen des typischen deutschen Anlegers zu 70 Prozent aus liquiden Mitteln und zu 30 Prozent aus Geldwerten. Noch etwas kritisiert Riester am durchschnittlichen deutschen Anleger: seine mangelnde Geduld. Es brauche fünf  bis sieben Jahre Zeit, um sein „Vermögen reifen zu lassen“. Zu viele Menschen wechselten aber voreilig die Anlagemethode, wenn sie keinen schnellen Gewinn einbringe.

Unsichere Politik

„Die Chancen sind da, man muss sie nur nutzen. Machen Sie einfach – gehen Sie die Themen an“, ermutigt Riester das Publikum. Denn es könne nicht vorausgesagt werden, wie lange die stabile wirtschaftliche Lage noch anhalte. US-Präsident Donald Trumps Ankündigung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium habe die Kapitalmärkte zuletzt sehr nervös werden lassen, die Schwankungen am Aktienmarkt hätten nach einem historischen Tief im letzten Jahr wieder zugenommen.

Und so sieht Riester die größten Gefahren im Politischen: Von den schleppend vorangehenden Brexit-Verhandlungen über die festgefahrene Situation im Katalonien-Konflikt und die „ganz komisch gewordenen“ Mehrheitsverhältnisse in Italien bis zu den unklaren Erfolgsaussichten der EU-Reformen gebe es derzeit zahlreiche politische Risiken.

Haller Tagblatt, 26.04.2018